Freitag, 19. Juli 2013

Wenn der Harndrang nervt - mit BOTOX gegen die Reizblase

Für viele Frauen und Männer ein Thema - die Reizblase. Betroffene werden durch lästigen Harndrang geplagt und scannen ständig ihre Umgebung nach einer Toilette. Die Blase ist ein muskuläres Hohlorgan, das den Harn über mehrere Stunden hinweg wasserdicht speichern und, auf ein willkürliches Signal hin, komplett entleeren soll. Die Entleerung vollzieht sich durch ein Zusammenziehen der Blasenwand, das im Normalfall nur nach einem bewussten Startsignals des Gehirns gestartet wird. Agiert die Blase aber unabhängig von der Steuerung des Gehirns, zieht sie sich ab einem bestimmten Füllstand automatisch zusammen und versucht den Harn zu entleeren. Die Folge ist ein plötzlicher, starker Harndrang, häufig verbunden mit dem Gefühl, die Entleerung nicht aufschieben zu können und die Blase sofort entleeren zu müssen. Ist in diesem Moment nicht binnen weniger Minuten eine Toilette erreichbar, so kann diese Fehlfunktion der Blase zu einer Inkontinenz führen. Da der Harnverlust unter Harndrang auftritt, wird diese Form des unfreiwilligen Harnverlustes als Dranginkontinenz bezeichnet. Kommt die Dranginkontinenz zusammen mit häufigem Wasserlassen am Tage und in der Nacht vor, ist meist eine überaktive Blase die Ursache. Das Botulinumtoxin ist eine biologische, also natürlicherweise in der Umwelt vorkommende Substanz. Es wird von einem Bakterium, Clostridium botulinum, produziert und gilt als das potenteste natürliche Gift auf der Erde. In den geringen Dosen angewendet führt das Toxin aber nicht zu einer Vergiftung des Körpers, sondern kann bei vielen Erkrankungen, insbesondere des Nervensystems und der Muskulatur, ungemein hilfreich sein. Spritzt man es in einer sehr geringen Dosis in einen verspannten Muskel, blockiert es die Schnittstelle zwischen Nerv und Muskel und löst die Verkrampfung der Muskelfasern. Seit rund 10 Jahren wird das Botulinumtoxin sehr erfolgreich in der Behandlung von Blasenstörungen eingesetzt, so etwa bei der überaktiven Blase. Die Überaktivität des Blasenmuskels führt zu verstärktem Harndrang, häufigem Wasserlassen und auch zu unwillkürlichem Harnverlust, einer sogenannten Dranginkontinenz. Die Injektionsbehandlung der Harnblase mit Botulinumtoxin ist ein kleiner operativer Eingriff unter örtlicher Betäubung. Die Blaseninnenwand wird zunächst mit Hilfe eines örtlichen Betäubungsmittels unempfindlich gemacht. Während einer Blasenspiegelung wird dann das in Kochsalzlösung aufgelöste Toxin mit einer feinen Injektionsnadel von innen in die Blasenwand gespritzt. Nach fünf bis sieben Tagen entfaltet der Wirkstoff dort seine Wirkung und dämpft den überaktiven Blasenmuskel für bis zu zwölf Monate. Treten wieder Beschwerden auf, kann die Injektion wiederholt werden.

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