Montag, 16. Mai 2016

Nächtliches Einnässen im Kindesalter - Untersuchung und Behandlung

Meistens ist es eine Frage der Zeit, bis Kinder, die tagsüber ihre Blasenfunktion bereits vollständig kontrollieren können auch nachts trocken sind. Sollte das nächtliche Einnässen im Alter von fünf bis sechs Jahren immer noch regelmässig vorkommen, ist eine ärztliche Abklärung ratsam. Bei kleineren Kindern kann man zunächst abwarten und auf eine spontane Heilung vertrauen. Im Vorfeld einer ärztlichen Untersuchung sollten Sie notieren, in wie vielen Nächten pro Woche das Bett (oder die Windel) nass ist. Auch ist ein „Pipi-Tagebuch“ erforderlich, indem Sie über zwei Tage und Nächte genau aufschreiben, wann und wie viel Ihr Kind trinkt und wann und wie viel Urin es ausscheidet. Vor allem die Urinproduktion in der Nacht ist wichtig und wird gemessen, indem man die nasse Windel morgens wiegt (vorher wiegen nicht vergessen – die Gewichtsdifferenz in Gramm entspricht der Urinmenge in Milliliter).
Im Arztgespräch wird durch gezieltes Fragen ausgeschlossen, dass Störungen der Blasen- oder Darmfunktion vorliegen. Ihr Kind wird körperlich untersucht, der Urin wird getestet und eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Eventuell wird Ihnen ein Fragebogen gegeben, der nach psychischen Störungen „sucht“. Sind alle Ergebnisse normal, sind keine weiteren Untersuchungen erforderlich. Grundsätzlich kann man einfach abwarten, ob sich die Enuresis von alleine „rauswächst“, was mit einer Rate von 15% pro Jahr geschieht. Allerdings ist die Belastung der Kinder oft so stark, dass eine Therapie gewünscht wird. Die Motivation des Kindes ist generell ein extrem wichtiger Faktor bei der Behandlung, denn ein Kind, dem das Einnässen nichts ausmacht, ist schwer von der Durchführung der Behandlung zu überzeugen. Die Behandlung hat grundsätzlich zwei Ziele: entweder, dass das Kind ohne Einnässen durchschläft, oder dass es vom Harndrang geweckt wird und nachts die Toilette aufsucht.
Urotherapie
Der erste und wichtigste Behandlungsschritt ist die sogenannte Urotherapie. Hier wird Ihnen und Ihrem Kind genau erklärt, wie die Blase funktioniert. Sie werden beraten, wie man das Trinken und Wasserlassen dauerhaft optimiert durchführt. Zusätzlich soll das Kind selbst mithilfe von Klebe- oder Malkalendern die trockenen Nächte dokumentieren, was enorm motivierend wirken kann. Oft ist es eine Kombination von „Kleinigkeiten“, die verbessert werden können, und nicht selten ist das Problem nach einigen Wochen deutlich gebessert oder gar behoben. Führt die Urotherapie allein nicht zum Erfolg, wird diese zwar unbedingt weitergeführt, aber mit der Alarmtherapie oder einer medikamentösen Therapie kombiniert.
Alarmtherapie
In den meisten Fällen wird zuerst mithilfe einer Klingelhose oder -matratze die Alarmtherapie durchgeführt, bei der die Weckschwelle des Kindes gesenkt werden soll, sodass es durch den Harndrang geweckt wird. Die korrekte Durchführung der Alarmtherapie ist ein „Familienprojekt“, da in der Anfangsphase meist zwar alle Familienmitglieder wachgeklingelt werden, aber nicht das betroffene Kind. Das Kind muss dann sehr konsequent jedes Mal geweckt werden, bis nach einigen Wochen der Lerneffekt eintritt und das Kind zuerst schon beim Klingeln und später durch den Harndrang selbst geweckt wird. Manchmal muss die Alarmtherapie mehrfach durchgeführt werden, führt aber in den meisten Fällen zu einem dauerhaften Erfolg.
Desmopressin
Die zweite Therapieoption ist die Gabe eines künstlich hergestellten ADHs, des Desmopressins, das als Tablette oder Schmelztablette gegeben wird. Es bewirkt genau wie das körpereigene ADH eine Drosselung der nächtlichen Urinausscheidung und hat einen sofortigen Effekt. Desmopressin ist nicht für jedes Kind geeignet, der Einsatz hängt von den geführten Tagebüchern und Untersuchungsergebnisse ab. Im Idealfall ist ihr Kind sofort nachts trocken, aber es besteht kein Lerneffekt wie bei der Alarmtherapie, sodass es nach dem Absetzen der Tablette wieder zum Einnässen kommen kann. Im Rahmen der Therapie, die Monate bis Jahre dauern kann, wird man regelmäßige „Auslassversuche“ machen, um zu sehen, ob das körpereigene ADH-System schon ausgereift genug ist und Ihr Kind ohne das Medikament nachts trocken bleibt. Desmopressin kann auch nur bei Bedarf verwendet werden, wenn „wichtige Nächte“ wie Übernachtungen bei Freunden oder Klassenfahrten anstehen. Hier muss aber darauf hingewiesen werden, dass das Kind nach Einnahme der Tablette nicht mehr trinken darf (Aufsichtsperson informieren). Manchmal muss bei ausbleibendem Erfolg von einer auf die andere Therapie umgeschwenkt werden oder beide Therapien werden kombiniert.

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