Neurogene Inkontinenz durch Parkinson: Welchen Einfluss hat die Dopaminstoffwechselstörung auf die Blasen- und Darmfunktion?

Durch eine Parkinson Erkrankung entsteht ein Mangel des Botenstoffes Dopamin in bestimmten Arealen des Gehirns. Diese Störungen des Dopaminstoffwechsels im zentralen Nervensystems haben neben den klassischen Bewegungsstörungen auch Auswirkungen auf die Steuerung des vegetativen Nervensystems, die sich Blasen- und Darmfunktionsstörungen äussern können. Etwa 1-3% der 70jährigen Frauen und Männer sind von der Parkinsonschen Krankheit betroffen, Männer etwa 20% häufiger als Frauen. Bis zu zwei Drittel der Betroffenen haben Blasenprobleme im Laufe der Erkrankung. Häufig beklagt werden verstärkter Harndranghäufiges Wasserlassen am Tage und in der Nacht und in vielen Fällen auch ein unfreiwilliger Harnverlust. Hierbei kommen zwei sich gegenseitig verstärkende Faktoren zu Tragen: zum einen besteht bei vielen Betroffenen eine Parkinson-bedingte überaktive Blase und zum anderen kann die krankheitsbedingte Verlangsamung des Gehens das rechtzeitige Erreichen der Toilette erschweren oder gar verunmöglichen. So führt in den meisten Fällen eine Harninkontinenz bei Parkinson zu einer Vorstellung in der neuro-urologischen Sprechstunde. 
Altersbedingte Nebenerkrankungen können die Behandlungsoptionen beeinträchtigen
Da es sich in den meisten Betroffenen um ältere Menschen handelt, kommen bei Frauen und bei Männern noch alterstypische Symptome und Veränderungen des Harntraktes hinzu, die nicht selten die Abklärung und Therapie erschweren. Von einer Parkinson-Erkrankung betroffene Frauen bemerken wie auch viele ihrer nicht von der Krankheit betroffenen Altersgenossinnen eine Belastungsinkontinenz während Männer nicht selten an den typischen Beschwerden einer vergrösserten Prostata leiden. Beide Faktoren können die parkinson-typischen Blasenbeschwerden verstärken oder aber bestimmte Behandlungsoptionen beeinträchtigen. 
Abklärungsmöglichkeiten bei neurogenen Blasenfunktionsstörung
Die Blasenbeschwerden bei Morbus Parkinson nehmen im Verlaufe der Erkrankung häufig zu. Schon im Frühstadium der Erkrankung, spätestens aber beim Auftauchen von Beschwerden wird eine neuro-urologische Abklärung empfohlen. Eine solche neuro-urologische Untersuchung beginnt mit einem Gespräch, in dem die Beschwerden an Hand eines zuvor über drei Tage geführten Trink- und Entleerungs-Tagebuches besprochen werden. Bei einer solchen Erstvorstellung macht es Sinn, nahe Angehörige oder Betreuungspersonen einzubeziehen. Die krankheitsrelevanten Arztberichte des behandelnden Neurologen inklusive der aktuelle eingenommenen Medikamente sollten vorliegen. Bestätigt sich im Erstgespräch der Verdacht auf eine Parkinson-assoziierte Blasenfunktionsstörung, so ist in praktisch allen Fällen eine Funktionsuntersuchung des Harntraktes empfehlenswert. In dieser urodynamischen Untersuchung finden sich meist Anzeichen einer überaktiven Blase, so die sich plötzlich, schon bei geringer Füllung und ohne Vorwarnung krampfartig zusammenziehende Blase verbunden mit einer nicht unterdrückbaren Entleerung. Ferner werden nicht selten Probleme derSchliessmuskelkontrolle und damit eine Entleerungsschwäche der Blase beobachtet. Eines der typischen Parkinson-Symptome ist der hohe Muskeltonus und die verlangsamte Muskelerschlaffung. Entspannt sich der Schliessmuskel während es Wasserlassens zu spät oder unvollständig, so kann daraus eine Abflussbehinderung aus der Blase resultieren. Dies ist insbesondere bei Männer häufiger zu beobachten und kann eine schon vorbestehende, durch eine vergrösserte Prostata hervorgerufene Entleerungsstörung der Blase verstärken

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