Blasenfunktionsstörungen durch Querschnittlähmung

Ursachen einer Querschnittlähmung
Eine Querschnittlähmung kann angeboren oder erworben sein. 
Die angeborene Querschnittlähmung  ist meist auf eine Fehlbildung der Wirbelsäule und der Rückenmarkshäute zurückzuführen, eine sogenannte Spina bifida. Bei dieser Erkrankung verschliesst sich der Wirbelkanal im Lenden- und Kreuzbeinbereich unvollständig, und es kommt zu einer Schädigung von Nervenbahnen ähnlich einer Querschnittlähmung. 
Bei der während des Lebens erworbenen Querschnittlähmung unterscheidet man zwischen folgenden Ursachen:
-       traumatische: nach Unfall oder Operationen der Wirbelsäule
-      nicht-traumatischen: Schlaganfall oder Entzündung des Rückenmark, durch Bandscheibenvorfall¨

Auswirkungen der Querschnittlähmung auf die Blase
Bei jeder Querschnittlähmung besteht das Risiko einer Blasenfunktionsstörung, die sich durch ein gestörtes oder fehlendes Gefühl für die Blasenfüllung, eine fehlende oder unvollständige Blasenentleerung oder eine Harninkontinenz bemerkbar machen kann. 
In der Akutphase direkt nach Eintritt der Querschnittlähmung ist die Harnblase schlaff, meist vollständig gelähmt und unfähig, sich zu entleeren, man spricht auch von der Phase des „Spinalen Schocks". Ohne sofortige urologische Maßnahmen entsteht eine Überdehnung der Harnblase, und es droht die Nierenfunktionsstörung

Auswirkungen einer inkompletten Lähmung
Ist nur ein Teil der Nervenfasern im Rückenmark beschädigt worden, man spricht von einer inkompletten Lähmung, so kann sich nach einigen Wochen bis Monaten die Funktion von Blase und Schliessmuskel erholen und schrittweise normalisieren. 
Folgend einer kompletten Querschnittlähmung
Ist das gesamte Rückenmark auf einer bestimmten Höhe durchtrennt worden, so handelt es sich um eine komplette Querschnittlähmung. In dieser Situation ist in jedem Falle mit einer  Blasenlähmung zu rechnen, die abgeklärt und behandelt werden muss. Bei vielen Betroffenen tritt die Lähmung in jungen Jahren ein, so nach einem Auto-, Motorrad-, Reit- oder Badeunfall. In der heutigen Zeit hat ein Querschnittgelähmter die gleiche Lebenserwartung wie ein Nicht-Gelähmter, nicht zuletzt Dank der Fortschritte in der Rehabilitation der Blasenfunktion. Das war nicht immer so, die meisten der im ersten Weltkrieg querschnittgelähmte Soldaten waren schon zehn Jahre nach Eintritt der Lähmung an einem Nierenversagen verstorben, weil die Blasenlähmung nicht erkannt und behandelt werden konnte. 

Ziele einer Blasenrehabilitation nach Querschnittlähmung

Heute ist das Ziel der Blasenrehabilitation nach einer Querschnittlähmung die Klassifikation der Blasenfunktionsstörung, das Erfassen von Risikofaktoren und die Erstellung eines individuellen Speicher- und Entleerungskonzept für jeden Betroffenen unter Einbeziehung seines sozialen Umfeldes und seiner Interessenslage. In der Praxis sieht das so aus, dass ein speziell ausgebildeter Urologe in einer Rehablitationsklinik anhand der Lähmungshöhe und einer urodynamischen Untersuchung den Typ der Blasenlähmung feststellt und eine Behandlung einleitet. 

 Die Höhe der Rückenmarksschädigung ist ausschlagebbend für das Behandlungskonzept

Ist die Hals- und Brustwirbelsäule beschädigt worden, so wird sich aller Voraussicht nach eine überaktive Blasen- und Schliessmuskellähmung ausbilden, die sich in einer Harninkontinenz und einer unvollständigen Blasenentleerung äussern kann. Typischerweise arbeitet die Blase gegen einen ganz oder teilweise verschlossenen Schliessmuskel an, was zu einer starken Druckerhöhung in der Blase und über einen längeren Zeitraum hinweg zu einer möglichen Schädigung der Nieren führen kann. 
Ziel einer neurourologischen Behandlung ist es, die Fähigkeit der Blase zur Harnspeicherung zu erhalten und eine vollständige Entleerung sicherzustellen. Ersteres erreicht man mit anticholinergen Medikamenten oder Botulinumtoxin, letzteres mit Hilfe des Selbstkatheterismus. 


Liegt die Schädigung des Rückenmarks auf Höhe der Lendenwirbelsäule oder des Kreuzbeins,so entwickelt sich meist eine schlaffe Blase, die den Urin zwar normal speichern, jedoch nicht entleeren kann. Der Schliessmuskel ist ebenfalls schlaff gelähmt, bei einer körperlichen Belastung oder Husten und Niessen kann es zu einem ungewolltem Harnverlust kommen. Für die vollständige Entleerung bietet sich auch hier für Frauen und Männer gleichermassen der Selbstkatheterismus an. Für die wirksame Therapie der Inkontinenz ist oft eine Operation notwenig, so ein Harnröhrenband oder eine Schliessmuskelprothese.


Für den Erhalt der Nierenfunktion und die Vermeidung von Komplikationen ist eine regelmässige, lebenslange neurourologische Betreuung notwendig.

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