Das in der Wirbelsäule gelegene Rückenmark verbindet die Steuerzentren
des Gehirns mit den Armen, Beinen und inneren Organen wie Blase und Darm. Im
Rückenmark verlaufen einige hunderttausend Nervenbahnen, die Informationen
einerseits vom Gehirn in den Körper und andererseits von dort zurück in das
Gehirn transportieren. Wird das Rückenmark an irgendeiner Stelle beschädigt, so
werden auch Nervenbahnen in Mitleidenschaft gezogen und der Informationsfluss
in beide Richtungen gestört. In diesem Falle spricht man von einer
Querschnittlähmung oder Paraplegie. Fast alle Mensch mit Paraplegie sind von
einer Blasen- und Schliessmuskellähmung und damit häufig auch von einer
Harninkontinenz betroffen. Langjährig erprobte Behandlungsmethoden wie der
Blasenschrittmacher nach
Brindley ermöglichen es, eine Inkontinenz wirksam zu kontrollieren,
Komplikationen und Spätschäden zu vermeiden und die Lebensqualität der
Betroffenen wirksam zur stärken. Nach ersten Experimenten Ende der sechziger Jahre, erfolgte 1976 die
erste erfolgreiche Implantation eines Blasenschrittmachermer am Menschen durch Prof.
Charles Brindley. Das Verfahren in der bis heute angewandten Methode wurde im
September 1986 erstmalig von Prof. Dieter Sauerwein durchgeführt. In einer
Operationsprozedur wird durch die sakrale Deafferentation (Durchtrennung
sensibler Nervenbahnen am Rückenmark) die spastische Blasenwandmuskulatur
beruhigt und durch die gleichzeitige Implantation der Elektroden für die
sakrale Vorderwurzelstimulation die Voraussetzung für die willkürliche
sendergesteuerte Blasenentleerung
geschaffen. Auch die Darmentleerung, die Erektion, eine Lubrifikation der
Scheide und ein Muskeltraining der Glutealmuskeln lassen sich in vielen Fällen
durch die Stimulation steuern. Die Voraussetzungen für die Anwendung dieser
Methode sind eine motorisch und sensibel komplette Querschnittlähmung. Das
System besteht aus einem Implantat und einer externen Steuereinheit. Spezielle
Elektroden (E) werden an die für die Blasensteuerung zuständigen Spinalnerven (F) platziert und über eine Kabelverbindung mit einem Empfängerblock (D), der unter der
Haut in der Bauchdecke liegt, verbunden. Das externe Steuergerät (A) sendet die
Stimulationssignale über das Senderkabel (B) zum Senderblock (C), der direkt über den implantierten
Empfängerblock auf die Haut gelegt wird. Nach der Implantation verbessert das
System die Harnkontinenz, vergrößert die Blasenkapazität, minimiert
Harnwegsinfektionen, ersetzt den intermittierenden Katheterismus und ermöglicht
eine sendergesteuerte Kontrolle über die Blasen- und ggf. Darmentleerung. Ein interessantes Video finden Sie hier.

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