Meistens ist es eine Frage der Zeit, bis Kinder, die tagsüber ihre
Blasenfunktion bereits vollständig kontrollieren können auch nachts trocken
sind. Sollte das nächtliche Einnässen im Alter von fünf bis sechs Jahren immer
noch regelmässig vorkommen, ist eine ärztliche Abklärung ratsam. Bei kleineren
Kindern kann man zunächst abwarten und auf eine spontane Heilung vertrauen. Im
Vorfeld einer ärztlichen Untersuchung sollten Sie notieren, in wie vielen
Nächten pro Woche das Bett (oder die Windel) nass ist. Auch ist ein
„Pipi-Tagebuch“ erforderlich, indem Sie über zwei Tage und Nächte genau
aufschreiben, wann und wie viel Ihr Kind trinkt und wann und wie viel Urin es
ausscheidet. Vor allem die Urinproduktion in der Nacht ist wichtig und wird gemessen,
indem man die nasse Windel morgens wiegt (vorher wiegen nicht vergessen – die
Gewichtsdifferenz in Gramm entspricht der Urinmenge in Milliliter).
Im Arztgespräch wird durch gezieltes Fragen ausgeschlossen, dass Störungen
der Blasen- oder Darmfunktion vorliegen. Ihr Kind wird körperlich untersucht,
der Urin wird getestet und eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Eventuell
wird Ihnen ein Fragebogen gegeben, der nach psychischen Störungen „sucht“. Sind
alle Ergebnisse normal, sind keine weiteren Untersuchungen erforderlich. Grundsätzlich kann man
einfach abwarten, ob sich die Enuresis von alleine „rauswächst“, was mit einer
Rate von 15% pro Jahr geschieht. Allerdings ist die Belastung der Kinder oft so
stark, dass eine Therapie gewünscht wird. Die Motivation des Kindes ist
generell ein extrem wichtiger Faktor bei der Behandlung, denn ein Kind, dem das
Einnässen nichts ausmacht, ist schwer von der Durchführung der Behandlung zu
überzeugen. Die Behandlung hat grundsätzlich zwei Ziele: entweder, dass das
Kind ohne Einnässen durchschläft, oder dass es vom Harndrang geweckt wird und
nachts die Toilette aufsucht.
Urotherapie
Der erste und wichtigste Behandlungsschritt ist die sogenannte Urotherapie.
Hier wird Ihnen und Ihrem Kind genau erklärt, wie die Blase funktioniert. Sie
werden beraten, wie man das Trinken und Wasserlassen dauerhaft optimiert
durchführt. Zusätzlich soll das Kind selbst mithilfe von Klebe- oder
Malkalendern die trockenen Nächte dokumentieren, was enorm motivierend wirken
kann. Oft ist es eine Kombination von „Kleinigkeiten“, die verbessert werden
können, und nicht selten ist das Problem nach einigen Wochen deutlich gebessert
oder gar behoben. Führt die Urotherapie allein nicht zum Erfolg, wird diese
zwar unbedingt weitergeführt, aber mit der Alarmtherapie oder einer
medikamentösen Therapie kombiniert.
Alarmtherapie
In den meisten Fällen wird zuerst mithilfe einer Klingelhose oder -matratze
die Alarmtherapie durchgeführt, bei der die Weckschwelle des Kindes gesenkt
werden soll, sodass es durch den Harndrang geweckt wird. Die korrekte
Durchführung der Alarmtherapie ist ein „Familienprojekt“, da in der Anfangsphase
meist zwar alle Familienmitglieder wachgeklingelt werden, aber nicht das
betroffene Kind. Das Kind muss dann sehr konsequent jedes Mal geweckt werden,
bis nach einigen Wochen der Lerneffekt eintritt und das Kind zuerst schon beim
Klingeln und später durch den Harndrang selbst geweckt wird. Manchmal muss die
Alarmtherapie mehrfach durchgeführt werden, führt aber in den meisten Fällen zu
einem dauerhaften Erfolg.
Desmopressin
Die zweite Therapieoption ist die Gabe eines künstlich hergestellten ADHs, des
Desmopressins, das als Tablette oder Schmelztablette gegeben wird. Es bewirkt
genau wie das körpereigene ADH eine Drosselung der nächtlichen Urinausscheidung
und hat einen sofortigen Effekt. Desmopressin ist nicht für jedes Kind geeignet,
der Einsatz hängt von den geführten Tagebüchern und Untersuchungsergebnisse ab.
Im Idealfall ist ihr Kind sofort nachts trocken, aber es besteht kein
Lerneffekt wie bei der Alarmtherapie, sodass es nach dem Absetzen der Tablette
wieder zum Einnässen kommen kann. Im Rahmen der Therapie, die Monate bis Jahre
dauern kann, wird man regelmäßige „Auslassversuche“ machen, um zu sehen, ob das
körpereigene ADH-System schon ausgereift genug ist und Ihr Kind ohne das
Medikament nachts trocken bleibt. Desmopressin kann auch nur bei Bedarf verwendet
werden, wenn „wichtige Nächte“ wie Übernachtungen bei Freunden oder
Klassenfahrten anstehen. Hier muss aber darauf hingewiesen werden, dass das
Kind nach Einnahme der Tablette nicht mehr trinken darf (Aufsichtsperson
informieren). Manchmal muss bei ausbleibendem Erfolg von einer auf die andere
Therapie umgeschwenkt werden oder beide Therapien werden kombiniert.
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