Regelmäßig
nachts aufzuwachen, weil die Blase den Gang zur Toilette fordert, ist ein
verbreitetes Leiden - und ein gefährliches zugleich: Zum einen werden die
Folgen der regelmäßigen Unterbrechung des Nachtschlafes zum Wasserlassen,
fachsprachlich Nykturie genannt, unterschätzt. Zum anderen sind die nächtlichen
Toilettengänge häufig ein Alarmsignal, das auf eine ernste Erkrankung hindeuten
kann. Zu unrecht wird die Nykturie häufig als eine unvermeidbare
Alterserscheinung angesehen. Tatsächlich ist die Nykturie die häufigste Ursache
von Schlafstörungen, aus denen wiederum Risiken für Gesundheit und
Lebensqualität der Betroffenen resultieren. Männer wie Frauen sind gleichermaßen
betroffen. Studien zeigen, dass aber mehr als 60 Prozent aller Menschen von 70
und mehr Jahren an einer abklärungs- und behandlungsbedürftigen Nykturie von zwei Mal oder
öfter leiden. In der Altersgruppe der 20- bis 40-Jährigen ist etwa jeder fünfte
bis sechste betroffen - hier öfter Frauen als Männer.
Dabei
ist die Nykturie keine eigenständige chronische Erkrankung, sondern vielmehr
das Symptom anderer körperlicher Störungen. Bei zahlreichen Nykturie-Patienten
liegt eine nächtliche Polyurie vor. Sie scheiden nachts mehr als den sonst
üblichen Anteil der 24-Stunden-Urinmenge aus, der für jüngere Menschen bis 20
Prozent, jenseits der 65 bis 33 Prozent liegen sollte. Bei anderen Patienten
wird eine reduzierte Kapazität der Harnblase festgestellt, die zur häufigeren
Entleerung kleinerer Mengen nötigt. Besonders bei älteren Menschen fallen oft
mehrere Faktoren zusammen, die für eine Nykturie ursächlich sein können: Dazu
gehören die sinkende Fähigkeit, Urin zu halten, erhöhte Restharnvolumina,
Veränderungen der Blase, niedrige Konzentration des Antidiuretischen Hormons
(ADH), chronische Infekte der unteren Harnwege, überaktive Blase und bei
Männern auch eine vergrößerte Prostata. Bei einer Polyurie ist es notwendig,
die Ursachen der erhöhten nächtlichen Urinproduktion abzuklären, so etwa eine
Herzschwäche, ein Diabetes, ein erhöhter systolischer Blutdruck, eine Störungen
der Nierenfunktion oder harntreibende Medikamente. Schnarchen, das mehr als die
Hälfte aller Männer betrifft, und nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe) sind
eng verbunden mit der Nykturie, die sogar als ein Leitsymptom des obstruktiven
Schlafapnoe-Syndroms gilt. Wird diese gefährliche Schlafstörung effektiv
behandelt, so bessert sich auch der Drang zum nächtlichen Wasserlassen. Als
weiterer Risikofaktor für Nykturie wird Übergewicht betrachtet.
Die
Folgen einer Nykturie können schwerwiegend sein: Schlafstörungen führen oft zu
Tagesmüdigkeit, Konzentrationsschwächen, Verminderung der geistigen Leistung
und Kopfschmerzen. In manchen Fällen können Depressionen die Folge sein. Besonders
ältere Menschen haben erhöhte Risiken für Stürze und Knochenbrüche. Für
herzkranke Patienten wird bei gleichzeitiger Nykturie von einem erhöhten
Mortalitätsrisiko ausgegangen. Eine Nykturie sollte daher wegen eines hohen
Leidensdrucks, möglicher Komplikationen und der zum Teil schwerwiegenden
ursächlichen Erkrankungen angemessen abgeklärt und behandelt werden.

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